Von Schluchten und Flussschleifen bis zu verbackenem Sand und erbeutete Saurier

in Deutsch D-A-CH3 months ago

Eine Schlucht die begehbar ist und am Neckar? Sicher, das gibts! Allerdings ist es eine Seltenheit. Wir sind in Neckargerach etwas oberhalb von Heilbronn. Hier ist die Margaretenschlucht. Ein unterhaltsames Wegchen mit Erklärungen, schönen Aussichten und einem unwegsamen Weg zum Beinchen brechen.

Eigentlich ist das hier Franken, trotzdem hört es sich oft so an als ob man in Schwaben ist. Ein Mischgebiet rund um Heilbronn, jeder fühlt sich dem zugehörig was ihm gerade passt.

Touristisch erschlossene Sehenswürdigkeiten, besonders naturnahe Besonderheiten sind nicht unbedingt sehr verbreitet. Das liegt auch daran das Natur über Jahrhunderte der Ausbeutung ausgeliefert war ohne das sich jemand erfolgreich für den Erhalt eingesetzt hat.

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Eine Ausnahme also. Eine unwegsame Schlucht die bis 2007 praktisch ignoriert wurde. Zum Glück wurde sie ignoriert sonst hätte man das Wasser irgendwann unterirdisch in den Neckar geleitet. Da aber eine Schlucht niemand haben will um damit Geld zu verdienen ist sie erhalten geblieben. So wurde dann vor 15 Jahren ein Schlucht-weg angelegt von der Gemeinde mit finanzieller Unterstützung vom Land Ba. Wü.

Je nachdem wo man die Wanderung beginnt fängt man meist mit ganz normalen Wanderwegen an, nur ein kleiner Teil ist letztendlich die Schlucht.

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Der Ort der hier zu sehen ist nennt sich Guttenbach. Durch das kleine Tal das zwischen den beiden Hügeln zu sehen ist floss irgendwann einmal der Neckar. Das ist allerdings so lange her da gab es diesen Ort noch nicht. Wissen tut man das erst seit einer Probebohrung. In 17 Metern Tiefe wurde eine Torfschicht gefunden die der Neckar hinterlassen hatte als die Flussschleife (Mäander) um den rechts zu sehenden Hügel abgeschnürt wurde.

Flüsse ändern ihren Lauf regelmäßig das ist bekannt. Die Grunde können sehr vielfältig sein, so können herausgebrochene Gesteinsschollen den Fluss ändern,
und auch die eigene Flussdynamik arbeitet ständig an der Erosion des Ufers.

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Auf der Karte kann man schön erkennen wie der frühere Verlauf des Flusses war. Der Mäander um Binau könnte das gleiche Schicksal irgendwann ereilen. Die Zentrifugalkraft die in einer solchen Schleife stetig arbeitet führt in vielen Fällen dazu das eine solche Schleife abgeschnürt wird. Bis das allerdings passiert nehme ich an das wir Menschen schon von einer neuen den Planeten kontrollierenden Spezies ersetzt wurden.

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Nachdem man sich also etwas eingelaufen hat, erreicht man den Eingang der Schlucht bzw. den Ausgang. In meinem Fall bin ich Rückwärts gelaufen also entgegen den Strom der Wanderer. Das ist nicht unbedingt besonders clever besonders innerhalb der Schlucht. Es sind meist sehr enge Wege und an Corona Abstand ist an den meisten Stellen nicht zu denken.

Das schöne am gegen den Strom laufen ist das man alle Gesichter nur ganz kurz sieht, niemanden hinterher läuft oder verfolgt wird. Man sollte allerdings mit einem gewissen Weitblick laufen um nicht an den ungünstigsten Stellen auf Gegenverkehr zu stoßen. Entspannter ist es wohl in der vorgesehenen Richtung zu laufen.

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Bei dem Gestein das hier zu sehen ist handelt es sich um Sandstein. Unglaublich das dieses Gestein an anderer Stelle einmal ein großes Gebirge war, komplett abgetragen wurde, zu Sand vermahlen um sich hier wieder abzusetzen und mit den Jahrtausenden zu einem neuen Stein verbacken wurde. So etwas zeigt doch immer wieder schön das wir Menschen bloß ein Augenzwinkern sind in der Existenz unseres Planeten.

Die Zeit in der sich Buntsandstein gebildet hat ist 250 Millionen Jahre her. Damals gab es nur einen Großkontinent "Pangaea" Diese Region lag im Norden des Riesenkontinents und war vornehmlich Wüste. Es gab sehr wenig Vegetation und nur kleines Getier wie Krebse und frühe Saurier-formen. Nur wo es Wasser gab existierten große Amphibien die arme kleine Saurier gefressen haben. Ach, die guten alten Zeiten, wer erinnert sich nicht gern.

Sand aus diesen ehemaligen Gebirgen wurde hier über Millionen von Jahren abgelagert, sodass der Buntsandstein an manchen Stellen bis zu 450 m dick aufgeschichtet wurde.

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Die Schlucht ist ein Kleinod in der Pflanzen und Tiere vorkommen die hier sonst kaum zu finden sind. Das liegt an der geschützten Lage der Schlucht und daran das sich der Mensch bis 2007 nicht dafür interessierte. So konnte hier viel erhalten bleiben das sonst dem Bagger und dem Rasenmäher der Menschheit zum Opfer fiel. Man findet hier eine bunte Mischung an Bäumen z.B. Eiche, Buche, Linde, Ahorn, Esche, Ulme und die Robinie die hier nicht heimisch ist und zur Zeit des Eisenbahnbaus eingeführt wurde als Bauholz.
In den Becken der Schlucht reifen die Larven des Feuersalamanders.

Ganz ungefährlich ist der Weg nicht, besonders wenn es Tage zuvor geregnet hat oder der Schnee schmelzt kann es hier ein so hohes Wasseraufkommen geben das der Weg nicht mehr begehbar ist.

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Am Ende der Schlucht angekommen (Anfang) ist man ganz schnell wieder in der Jetztzeit. Staustufe und Zug zeugen von der menschlichen Kunst alles zu begrenzen und sich dienlich zu machen.

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schöne impressionen, die lust auf einen landgang an diesem ort machen.

Du kannst gern herschippern, bei Rotterdam links ab. Waal, Rhein, Neckar.
Katzensprung!
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